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Gestaltung von Angeboten in der heilpädagogischen Praxis

Wenn wir mit Menschen mit geistiger Behinderung eine (förderliche) Beschäftigung durchführen wollen, haben wir den Platz, den Ort, an dem diese stattfinden soll, unter gewissen Gesichtspunkten vorzubereiten.

Wir achten auf:

Arbeitskleidung

Heute vielfach verpönt, aber immer noch sehr zweckmäßig: Schürzen, Malkittel usw..
Arbeitskleidung schützt die Kleidung. Sie ist aber auch ein Signal für den Menschen, dass jetzt etwas Spezielles kommt, dass jetzt eine Situation sein wird, wo etwas gemeinsam getan wird. Gerade ein schwer behinderter Mensch braucht diese Hilfe. Natürlich geht der Fachschüler mit gutem Beispiel voran und trägt ebenfalls entsprechende Kleidung.

Vollständigkeit des Materials

Je nach Personenkreis haben wir alles in Reich- und Sichtweise. Arbeiten wir mit gewöhnungsfähigen Menschen, dann haben wir z.B. beim Kuchenbacken alle Zutaten bereitgestellt, alle Hilfsmittel griffbereit. Bei einem erfahrungsfähigen werde ich dies nicht brauchen. Ich überzeuge mich vorher, dass alles vorhanden ist und hole mit ihm gemeinsam die Zutaten und Hilfsmittel hervor. Und mit einem Sozialhandlungsfähigen werde ich, nachdem ich mich überzeugt habe, dass alles vorhanden ist, besprechen, wie der Kuchen gebacken wird und meine Hilfe anbieten, wenn er sie denn braucht. Immer aber ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alles da ist, was gebraucht werden wird.

Vernünftiges Werkzeug und Material

Geeignete Messer zum Schneiden, geeignete Scheren, auch an Linkshänder denken, so sind wir ausgerüstet. Jeder, der z.B. selbst gerne kocht weiß, wie sehr die Lust und Motivation leidet, wenn er kein richtiges Messer, keinen ausreichend großen Topf zur Verfügung hat. Und wenn etwas Neues gelernt werden soll, dann ist richtiges Werkzeug doppelt wichtig! Ausreichend große Arbeitsbretter, rutschfest gemacht mit z.B. einem feuchten Tuch darunter, erleichtert das Schneiden.
Werkzeug wird nicht zweckentfremdet. Ein Essbesteck wird nicht als Werkzeug benutzt! Ein Messer ist kein Schraubenzieher. Ein Stechbeitel ist ebenfalls kein Schraubenzieher.

Schonender Umgang des Inventars

Das Inventar ist anvertraut, es wird geschont. Wir haben auch die Aufgabe, zum schonenden Umgang anzuleiten. Je nach Tätigkeit legen wir eine Plastikplane oder Decke als Schutz auf den Tisch und fixieren sie gegen Verrutschen. Werkzeuge werden nicht zweckentfremdet!

Zweckmäßigkeit der Sitzordnung

Ich sitze als Rechtshänder links vom Rechtshänder, wenn ich Handführung leisten muss, beim und als Linkshänder umgekehrt. Derjenige, der am wenigsten Hilfe benötigt, sitzt am weitesten weg von mir. Viele Tätigkeiten können besser im Stehen erledigt werden, vor allem, wenn die Teilnehmer die überwiegende Zeit des Tages im Sitzen verbringen.

Lichtverhältnisse

Licht muss sehr gut und hell sein. Wir achten darauf, dass keine starken Schatten auf den Arbeitsplatz geworfen werden, das Feld vor der Hand verdunkeln. Daher kommt das Licht beim Rechtshänder von links. Sehr gut ist auch, starke Lichtquelle vorausgesetzt, eine indirekte Beleuchtung wie z.B. Deckenfluter, der wenig Schatten macht.

Arbeitsplatz

Wir achten darauf, dass die Beschäftigung an einem geeigneten Tisch stattfindet. Geeignet meint die Tischhöhe, das Verhältnis Tischhöhe zu Sitzhöhe. Bitte darauf achten, dass die Füße beim Sitzen mit ganzer Sohle auf dem Boden sein können. Baumelnde Beine verunsichern und führen auch zum unruhigen, zappeligen Sitzen. Wir achten auch darauf, dass der Arbeitsplatz keine Ablenkung verursacht, z.B. direkt vor einem Fenster mit Blick hinaus. Oder dass der Tisch direkt beim oder sogar im „Verkehrsweg“ steht, also dort, wo am meisten Hin- und Hergehen der anderen Leute geschieht.

Raumtemperatur

Nicht zu warm, nicht zu kalt ist der Raum temperiert. Wir beachten, dass das Temperaturempfinden sehr unterschiedlich sein kann, ebenso die Bedürfnisse! Und wir berücksichtigen die Art der Beschäftigung. Wird es uns warm dabei, dann ist die Raumtemperatur geringer zu halten.

Frischluft

Kurze Zeit das Fenster ganz öffnen bringt deutlich mehr an Frischluft und Energieeinsparung, als das Fenster die ganze Zeit gekippt zu haben. Räume, die selten genutzt werden, müssen vor der Beschäftigung gut gelüftet werden. Aber auch in Wohnräumen ist es sehr dienlich, nach dem Essen gut zu lüften.

Ablenkung

Haben wir Teilnehmer, die sich sehr leicht ablenken lassen, dann bemühen wir uns darum, ungestört zu bleiben. Ein Schild an der Tür mit „Bitte nicht stören“, aber auch die Nutzung eines Ausweichraumes kann helfen. Wollen wir die Teilnehmer aber darin fördern, sich von Gruppenleben nicht stören zu lassen, so beziehen wir dies ein und beachten besonders, wie wir sie immer wieder „zurückholen“.

Unfall- und Verletzungsgefahr

Dieser Gesichtspunkt richtet sich zuerst nach der Beschäftigung. Allerdings wissen wir immer: Wo ist der Erste-Hilfe-Kasten und was ist drin, wo ist Feuerlöscher etc.
Ich verhindere aber auch, dass jemand über mein Verlängerungskabel stolpert. Ich benutze keine beschädigten Kabel oder Elektrowerkzeuge. Wir kümmern uns darum, dass beschädigtes Werkzeug repariert wird, bevor es wieder verwendet wird. Wir kümmern uns darum, dass Verbandsmaterial besorgt wird, wenn wir es verbraucht haben.

Findet das Angebot an einem für mich unbekannten Ort statt, muss ich mich vorher über mögliche Gefahrenquellen informieren.

Überblick über die Gruppe und die Gesamtgruppe

Wir bedenken, dass wir nicht nur die Teilnehmer im Auge behalten müssen, die direkt beteiligt sind, sondern auch die anderen Menschen in der Gruppe. Deshalb wählen wir z.B. unseren Sitzplatz so, dass wir die Gruppe leicht überblicken können.

Verwendung der Materialien

Wir beachten die sogenannten objektiven Gefahren, die von dem verwendeten Material ausgehen. Arbeiten wir mit Glasscherben, mit Fliesenresten, dann haben wir die Verletzungsgefahr zu minimieren und benutzen z.B. geeignete Handschuhe. Aber auch von Farben, Verdünnungsmitteln etc. können Gefahren ausgehen. Wo immer es geht, verzichten wir auf den Einsatz von giftigen Mitteln und Materialien.