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Beobachtung

Was heißt Beobachten?

Wenn man im Weiteren von Beobachtungen spricht,meinst das in jedem Fall eine sinnlich wahrnehmbare Tatsache. Jede Beobachtung entspringt somit immer einem Phänomen, welches von mindestens einem der fünf Sinne wahrgenommen wird. Es sind also alle Phänomene gemeint, die man sehen, hören, riechen, schmecken oder ertasten kann. So simpel dies klingen mag, so leicht passiert es dennoch, Beobachtungen mit Interpretationen oder Bewertungen zu verwechseln.

Wenn ich beispielsweise sage, dass …:

… die Suppe salzig schmeckt, ist dies eine Beobachtung.
… die Suppe liebevoll/ lieblos gekocht wurde, eine Interpretation.
… die Suppe ätzend, gut, schlecht schmeckt, eine Bewertung.

Beobachtung als Grundlage der pädagogischen Arbeit

Beobachten ist kein Luxus. Beobachtungen und Dokumentationen sind Arbeitsgrundlagen für pädagogische Fachkräfte im Hinblick auf Begleitung und Unterstützung kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse.

Beobachtung am Beispiel Kita und Krippe

Was heißt das? Es bedeutet, (auffälliges, wie auch unauffälliges) Verhalten, Entwicklung, (Selbst-)Bildungsprozesse, Lernbereitschaft, Wohlbefinden und nicht zuletzt soziale Bezüge zu anderen Kindern und zu Bezugspersonen zu sehen, wahrzunehmen, zu beschreiben und Handlungskonzepte daraus abzuleiten.

Demnach hängt pädagogische Qualität von professioneller Beobachtung ab und in diese schleichen sich oft und gerne Fehlerteufel ein, denn die Hinwendung zum Kind und das Bemühen zu verstehen wird durch eigene innere Brillen verzerrt. Des kleinen Prinzen poetische Idee: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“ (St. Exupéry, 1956, S. 72) sollte für Pädagogen und Pädagoginnen so nicht gelten.

Beispiel Marlon (5,3): Eine Erzieherin beobachtet Marlon, der seit 3 Jahren die Kita besucht, als „ADHS-Problemkind“ bekannt ist und dessen intellektuelle Eltern sich weigern, ihn diagnostizieren zu lassen. Sie sieht, dass er immer wieder andere beim Spielen stört, indem er umherrennt und dabei deren Bauwerke zerstört – sie dokumentiert diese Beobachtung sehr sorgfältig und Marlon hat einen „neuen Eintrag“ in seiner Akte, die u.a. Grundlage für das letzte Entwicklungsgespräch vor Schulbeginn ist.

Impuls: Betrachten Sie im Team ein Foto von ein paar Kindern und notieren Sie das, was Sie sehen. Tauschen Sie sich anschließend aus. Wie viele unterschiedliche Beschreibungen sind entstanden?

So oder ähnlich könnte sich eine Beobachtungssituation darstellen: Marlon hat tatsächlich mehrfach Bauwerke anderer Kinder zerstört, weil er dagegen gerannt ist, doch hat er stets geholfen, die Werke wieder aufzubauen und hat sich zudem bei den anderen Kindern entschuldigt. Nachdem er umhergerannt ist, baut Marlon über 20 Minuten lang mit den kleinen Legosteinen ein Schiff mit vielen Details.

So könnte dieselbe Situation sich darstellen, wenn Marlon kein „Problemkind“ wäre: Leider wurden Marlons prosoziales Verhalten und seine Konzentrationsfähigkeit weder wahrgenommen, noch beobachtet.

Wertungsfreie und neutrale Beobachtung

Beobachtungsfehler sind zunächst eine Folge des Ökonomieprinzips menschlicher Informationsverarbeitung und zudem subjektiven Verzerrungen unterworfen. Die drei Ebenen der Beschreibung (1) sachliche Darstellung „Peter fasst Lukas an den Oberarm“, (2) Interpretation/Deutung „Peter ist neugierig, wie sich Lukas verhält, wenn er ihn zwickt“ und (3) emotionale Übertragung „Lukas ist ein besonders süßer und empfindlicher Junge“ sollten zwingend unterschieden werden, andernfalls würde zunehmende Beobachtungserfahrung zu wenig Objektivitätszuwachs führen.

Das stetige Bewusstmachen darüber, dass Wahrnehmungen durch individuelle Verarbeitung und individuelle Interpretation des Wahrgenommenen ein perfektes Abbild der Realität unmöglich machen, hilft dabei, nur tatsächlich Gehörtes und Gesehenes zu protokollieren.

Um neutralere und wertungsfreiere Beobachtungen zu gewährleisten, kann man sich selbst und im Team Fragen stellen wie:

  • Warum fällt gerade mir auf, dass Sophie immer den ängstlichen Tom ärgert?
  • Was löst Saschas Schüchternheit bei mir aus?
  • Wieso ärgert es mich, dass Leandra sich nur mit Jungs versteht?
  • Warum bedeutet es mir so viel, dass Micha mir aufmerksam zuhört?
  • Wer ist mir heute positiv aufgefallen und warum?
  • Wie kann ich mich mit meiner eigenen Biografie auseinandersetzen?
  • Weshalb fallen meinen Kolleginnen andere Kinder auf als mir selbst?

Fehlerquellen lassen sich nicht ausschließen, doch Übung macht auch bei Beobachtungen den Meister, d.h. je mehr in einer Kita beobachtet wird, desto weniger Beobachtungsfehler werden sich einschleichen.

 

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung von typischen Beobachtungsfehlern und Beurteilungsfallen.

 

 


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